Digitale Sprachanalyse: Im Gespräch mit Agostino Cisco, HR-Strategist bei PRECIRE Technologies

Agostino Cisco ist Philosoph und HR-Strategist bei PRECIRE Technologies, dem Aachener Start-up und Innovationsführer für digitale Sprachanalyse. Im Interview sprechen wir über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Technologie für HR, den zentralen Stellenwert von Sprache für unsere Zusammenarbeit und warum es sich lohnt, die eigene sprachliche Wirkung zu optimieren.

Herr Cisco, die digitale Sprachanalyse ist noch ein Nischenprodukt, auch in HR. Wie würden Sie das PRECIRE-Angebot im Kern beschreiben?

Mit PRECIRE kann jede Person die eigene Kommunikation überprüfen und verbessern. Dies gilt sowohl für die schriftliche als auch für die mündliche Kommunikation.

Sie kennen Personal- und Führungskräfteentwicklung aus erster Hand und waren u.a. langjährig für diesen Bereich der Accor-Hotelgruppe verantwortlich. Welche Chancen bietet die digitale Sprachanalyse den HR-Kollegen?

Kommunikation ist ein absolutes Kernthema in jeder Organisation. Gleichzeitig bekommt man zumeist nur spärliches oder selektives Feedback zur eigenen Wirkung. PRECIRE bietet jeder Person die Möglichkeit zu einer detaillierten, objektiven und wiederkehrenden Widerspiegelung des eigenen kommunikativen Repertoires. Mitarbeiter und Führungskräfte entscheiden selbstbestimmt, was sie daraus als Anregung für die jeweilige persönliche Weiterentwicklung annehmen und beherzigen. Bewusstere Kommunikation verändert den Umgang untereinander, auch in Organisationen. Folgt man dem taoistischen Gedanken, dass das Weiche das Harte besiegt, sind Kommunikation und Verständigung die Quelle jeder echten Fortentwicklung – quasi die Soft-Power par excellence.

Eine Frage, die mir im Zusammenhang mit digitaler Sprachanalyse oft gestellt wird, ist diejenige nach dem Datenschutz. Haben wir 1984 mit ein paar Jahren Verspätung jetzt erreicht?

George Orwell entfaltet in seinem Roman 1984 die Schreckensvision einer allgegenwärtigen und diffusen Überwachung als negative Utopie. Zur Abwechslung habe ich als Philosoph eine gute Nachricht: Keine Utopie, ob abschreckend oder erstrebenswert, ob von Platon, Morus, Campanella oder Marx, ist jemals wahr geworden. Die Überhöhung und Zuspitzung bestimmter Themen gehört zum journalistischen Handwerk, um Aufmerksamkeit und Dringlichkeit für ein bestimmtes Anliegen zu erzeugen. Das ist legitim. Die Praxis jedoch ist weniger spektakulär. Es bedarf der Einhaltung feststehender und in Europa glücklicherweise klar ausdifferenzierter Grundregeln, um die Gefahren zu bannen oder zumindest effektiv zu begrenzen. Dafür engagieren wir uns.

Sie erhalten viel Gegenwind von etablierten Eignungsdiagnostikern, beispielsweise von Prof. Kanning (FH Osnabrück)*. Zusammengefasst sagen sie, dass es jeglicher Grundlage entbehre, aus Sprache persönliche Eigenschaften abzuleiten. Was sind Ihre Erfahrungen, wenn es um die prognostische Validität der digitalen Sprachanalyse geht?

Auch Gegenwind ist Wind, der Segler fordert und fördert. Kritik an unserer Technologie spornt uns an, die wissenschaftliche Basis kontinuierlich zu festigen und zu erweitern. Unabhängig davon wird jede Form der Einschätzung anderer Menschen anfechtbar bleiben. Der wissenschaftliche Eifer dient lediglich dem Ziel, den Grad der Fehlbarkeit zu verringern.

Bei der aktuellen Kritik an unserer Methode habe ich übrigens zahlreiche Déjà-vus: In den 1990-ern habe ich, wie andere Personalentwickler meiner Generation, dazu beigetragen, ACs und DCs in die Unternehmen zu tragen – auch dabei bekamen wir deutlichen Gegenwind zu spüren. Heute ist meine Generation längst in den Organisationen angekommen und mit ihr die entsprechenden Instrumente. Mit den Digitals werden eben neue, KI-gestützte Instrumente Einzug halten. Wesentlich ist dabei die Haltung, mit der man solche Verfahren einsetzt. Es ist ein Imperativ, um ihren Vorzug und ihre Begrenztheit zu wissen und sie nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage, sondern als zusätzliche und hilfreiche Information zu verwenden. Entscheidungen werden immer vom Menschen getroffen.

Was sagen Ihre Kunden?

Zunächst stellen wir fest, dass das Interesse für unsere Technologie großartig ist. Und von den Nutzern bekommen wir sehr positive Rückmeldungen: Sich bezüglich der eigenen sprachlichen Wirkung mit tausenden von anderen Sprechern zu messen, wird von nahezu allen Probanden als sehr aufschlussreich erlebt. Zumeist herrscht Erstaunen darüber, wie treffend das sprachliche Wirkungsprofil mit dem eigenen Selbstbild oder mit den Rückmeldungen von vertrauten Personen aus dem eigenen Umfeld übereinstimmt.

Das Feedback zur kommunikativen Wirkung ist darüber hinaus entwicklungsorientiert und unmittelbar mit täglichen Erfahrungen verbunden: Die Wirkung, die wir erzeugen, kann verändert werden. Dazu zwei kleine Beispiele: Wenn ich wenig in der Gegenwartsform spreche, bin ich nicht präsent. Wenn ich häufig „Ich“-Aussagen treffe, erreiche ich kein „Du“. Beides lässt sich recht leicht trainieren und in die eigene Sprache einbauen. Vor dem Hintergrund des Entwicklungsbedarfs hat die wissenschaftliche Fragestellung, inwiefern wir sind, wie wir wirken, nur einen begrenzten Nutzwert.

Ihr Quellberuf oder Berufung ist die Philosophie – das bemerkt man unschwer an einigen Ihrer Ausführungen. Was macht es mit einem Menschen, wenn seine Sprache so gut wie alles über ihn verrät?

Erlauben Sie mir eine spitze Gegenfrage, die mir auf der Zunge liegt: Wozu sollte der Mensch seine Sprache nutzen, wenn nicht, um sich den Artgenossen zu „verraten“? Nur wer preisgibt, was ihn oder sie bewegt, ist zur Kooperation fähig. Aber natürlich verstehe ich Ihre Frage und gebe Ihnen zwei Antworten darauf.

In Bezug auf die automatisierte Decodierung der Sprache wird m.E. zu viel dramatisiert. Jeder von uns bezieht aus der Sprache eines Menschen mehr Informationen über den Sprecher als jede Technologie es tut. Wir schließen daraus auf die geographische, kulturelle, soziale Herkunft; Bildungsgrad oder -hintergrund erschließen sich ebenso wie persönliche Eigenschaften wie beispielsweise Zugänglichkeit, Gereiztheit, Gewandtheit, Humor und vieles, vieles mehr. Sobald wir reden, zeigen wir uns immer auch als Mensch. Technologie macht einen Teil dieser Informationen reproduzierbar und lässt einen objektiveren Blick zu, der uns durch verschiedene menschliche Wahrnehmungsverzerrungen verwehrt bleibt. Das ist alles. Und das ist praktisch. Zum Beispiel kann man beim Schreiben von E-Mails die Wahrscheinlichkeit bezüglich des Erzeugens einer erwünschten Wirkung bei den Empfängern steigern. Das gilt ebenso für Vorträge und Ähnliches.

Die zweite, sprachphilosophische Antwort verbindet sich mit einer optimistischen Erwartung in Bezug auf die Entwicklungsfähigkeit unserer Spezies. Bewusst eingesetzte oder rezipierte Sprache macht uns zu kooperationsfähigeren Individuen. Für uns als aristotelische Gesellschaftstiere (zoon politicon) gilt folgende Gleichung: weniger Missverständnisse/bessere Verständigung = effizientere Bedürfnisbefriedigung = einfacheres/erfüllteres Leben. Und Kooperation ist in Zeiten markiger Ellbogenpolitik und fortschreitender gesellschaftlicher Ausgrenzung wichtiger denn je.

Abschließend noch zwei eher persönliche Fragen: New Work ist in aller Munde – wie ist es für Sie, der aus einem Großkonzern kommt, bei einem Start-up mit knapp 20 Mitarbeitern zu arbeiten?

Diese Frage wäre ein eigenes Interview wert. Auf den Punkt gebracht: Auf die Ausrichtung einer Innovation Einfluss nehmen zu können, verleiht mir neue Energien. Die Optimierung von guten Routinen zu betreiben, hatte sich für mich verbraucht. Außerdem lerne ich im jungen PRECIRE Team – beruflich gesehen – Opa zu werden. Das heißt, typischen beruflichen Ego-Bedürfnissen mit mehr Gelassenheit zu begegnen und ungefiltert mitzuerleben, wie die nachfolgenden Generationen (Y und Z) ihre eigenen Antworten auf drängende Fragestellungen finden.

Sie testen Ihre Produkte auch kontinuierlich selbst – welche Erkenntnis haben Sie für sich daraus gewonnen?

Wie Sie bemerkt haben, begeistere ich mich für meinen Beruf. Gelegentlich bezahle ich dafür den Preis der Unachtsamkeit gegenüber meinen persönlichen Bedürfnissen. Wie sich Unausgeglichenheit in meiner Sprache ablesen lässt, hat mir PRECIRE eindrücklich aufgezeigt. Mich unterstützen einfache und jederzeit anwendbare Features, wie „kürzere Sätze“ und „mehr Sprechpausen“, meine Energie zielgerichteter zu steuern. Wenn ich weiß, wofür ich Muster verändere, dann funktioniert´s. Das ist toll.

Danke für diese spannenden Einordnungen, Einblicke und Impulse, Herr Cisco.

*Kanning, Was verrät die Sprache über einen Menschen? auf youtube.com

Wie Sie Ihre kommunikative Wirkung steigern – Teil III

Gute Kommunikation wird in agilen Arbeitswelten immer wichtiger; das gilt umso mehr in der Führungsrolle. Es lohnt sich also, die eigene kommunikative Wirkung zu optimieren. In loser Folge stelle ich Ihnen dafür sprachliche Bausteine vor und wie Sie diese trainieren, um noch überzeugender zu kommunizieren. Weiter geht es in dieser Folge mit zwei stimmlichen Wirkverstärkern, der Atmung und dem Eigenton.

Eine tiefe Atmung ist die Grundlage für eine kraftvolle Stimme. In der Praxis erlebe ich allerdings oft, dass flach geatmet wird – anstatt in den Bauchraum strömt die Luft in den oberen Brustkorb (gut daran zu erkennen, dass die Schultern quasi mitatmen und sich bewegen). Als Folge rutscht auch die Stimme weiter nach oben. Diese so genannte Kopfstimme entspricht nicht der natürlichen Stimmlage. Sie ist zu hoch, klingt „kieksig“ und mindert so hörbar die eigene Überzeugungskraft. Besonders tritt dieses Phänomen in stressigen und emotional aufgeladenen Situationen auf. Mit den nachfolgenden drei Techniken können Sie gegensteuern.

Mit der Wechselatmung sorgen Sie dafür, dass Sie tief atmen. Und so geht’s: Halten Sie einen Nasenflügel zu und atmen ein. Halten Sie dann die andere Seite zu und atmen aus. Atmen Sie wieder ein und wechseln erneut die Seite. Fahren Sie damit etwa eine Minute fort. Durch die verminderte Luftzufuhr atmet der Körper automatisch tiefer. Auch die Intervallatmung unterstützt tiefes Luftholen und lässt sich gut einbauen, wenn Sie zu Fuß unterwegs sind: Atmen Sie drei Schritte ein, halten einen Schritt die Luft an und atmen fünf Schritte aus. Die Anzahl der Schritte kann individuell variieren, wichtig ist, dass Sie länger aus- als einatmen. Die Übung lässt sich natürlich auch stationär durchführen, indem Sie einfach zählen.

Wenn Sie dazu neigen, mit einer zu hohen Stimme zu sprechen, finden Sie mit der folgenden Übung zu Ihrem Eigenton zurück: Atmen Sie tief ein, summen Sie mit geschlossenem Mund, öffnen ihn dann langsam und intonieren ein „Moooooooo“. Halten Sie den Ton, so lange es ohne Anstrengung möglich ist. Schon nach wenigen Einheiten erkennen Sie durch diese Technik Ihre natürlich Stimmlage und können sich selbst daran orientieren. Die meisten Klienten, die diese Übung ausprobieren, sind überrascht, dass ihre Stimme voller und tiefer klingt als gewohnt. Das macht das Sprechen nicht nur unangestrengter, Personen mit einer „gut sitzenden“, tiefen Stimme wird auch mehr Autorität zugeschrieben.

Probieren Sie den „Doppelpack“ aus Atmung und Stimme doch einfach einmal aus und lassen sich von der positiven Wirkung überraschen.

In den kommenden Folgen geht es unter anderem um Emotionen und den Konjunktiv. Welche Themen interessieren Sie noch? Ich freue mich auf Ihre Nachricht an mail@jochen-gabrisch.de

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Wie Sie Ihre kommunikative Wirkung steigern – Teil I

Gute Kommunikation wird in agilen Arbeitswelten immer wichtiger; das gilt umso mehr in der Führungsrolle. Dabei hängt der Wirkungsgrad von Sprache von einer Vielzahl von Bausteinen ab. Derselbe Sachverhalt entfaltet beispielsweise je nach Formulierung eine sehr unterschiedliche Wirkung:

  • Nicht schlecht, aber die Präsentation war zwei Tage zu spät fertig.
  • Ihre Präsentation gefällt mir sehr gut, vielen Dank. Für’s nächste Mal bitte ich Sie, die Zeit besser im Blick zu behalten.

Es lohnt sich also, die eigene kommunikative Wirkung zu optimieren. In loser Folge stelle ich Ihnen dafür sprachliche Bausteine vor und wie Sie diese trainieren können, um noch überzeugender zu kommunizieren. Los geht es in dieser Folge mit zwei Wirkverstärkern mit Fokus auf die handelnden Personen und die Aussprache.

„Das bekommt man hin.“ Doch wer ist gemeint? Die handelnde Person kommt in diesem Satz nicht vor, die Verantwortung bleibt diffus. Besser ist es, Personen konkret zu benennen: „Das bekomme ich hin.“ Oder: „Das bekommt unser Team hin.“ Für den Fall, dass sich das Man häufiger in Ihrem Wortschatz wiederfindet, überlegen Sie zunächst, was der Grund dafür sein könnte. Ist es beispielsweise nur eine Angewohnheit oder tun Sie sich tatsächlich schwer, in diesen Situationen die Verantwortung festzulegen? Probieren Sie in Schritt zwei aus, häufiger ich, Sie oder wir zu sagen. Hören Sie sich dazu selbst gut zu und ersetzen das Man durch ein konkretes Subjekt. Zu Beginn wird Ihnen ein Man wahrscheinlich erst im Nachhinein auffallen. Doch die Zeit, bis Sie es bemerken, wird mit zunehmender Übung kürzer und schon bald fällt Ihnen rechtzeitig auf, wenn Ihnen eines auf der Zunge liegt. Ein Post-it oder Kalendereintrag können Sie unterstützen, im Alltag daran zu denken. In der Folge wird die Zuordnung von Verantwortung klarer.

Viele Führungskräfte sind schnelle Denker. Oft drückt sich das auch in der Sprechgeschwindigkeit aus. Eine hohe Sprechgeschwindigkeit kann allerdings schon für sich genommen das Verständnis erschweren und der Sprecher hinterlässt leicht einen gehetzten Eindruck. Noch schwerer fällt es zuzuhören, wenn der Gesprächspartner zusätzlich zu der hohen Geschwindigkeit den Mund kaum öffnet und ins Nuscheln kommt. Um an einer klaren Aussprache zu arbeiten, hat sich der Korken bewährt: Nehmen Sie einen Korken ein kleines Stück in den Mund, halten ihn locker mit den Zähnen fest und lesen Sie drei Minuten einen beliebigen Text vor. Versuchen Sie dabei, die einzelnen Worte gut verständlich auszusprechen. Schon nach wenigen Trainingseinheiten werden Sie feststellen, dass Sie Ihre Gedanken klarer aussprechen und ihnen somit zu einer stärkeren Wirkung verhelfen.

In den kommenden Folgen geht es unter anderem um Zwang, Atmung und das Aber. Welche Themen interessieren Sie noch? Ich freue mich auf Ihre Nachricht an mail@jochen-gabrisch.de

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Wie Sie Ihre kommunikative Wirkung steigern – Teil II

Gute Kommunikation wird in agilen Arbeitswelten immer wichtiger; das gilt umso mehr in der Führungsrolle. Dabei hängt der Wirkungsgrad von Sprache von einer Vielzahl von Bausteinen ab. Derselbe Sachverhalt entfaltet beispielsweise je nach Formulierung eine sehr unterschiedliche Wirkung:

  • Nicht schlecht, aber die Präsentation war zwei Tage zu spät fertig.
  • Ihre Präsentation gefällt mir sehr gut, vielen Dank. Für’s nächste Mal bitte ich Sie, die Zeit besser im Blick zu behalten.

Es lohnt sich also, die eigene kommunikative Wirkung zu optimieren. In loser Folge stelle ich Ihnen dafür sprachliche Bausteine vor und wie Sie diese trainieren können, um noch überzeugender zu kommunizieren. Weiter geht es in dieser Folge einem weit verbreiteten Wirkminimierer, dem Müssen.

„Den Bericht muss ich heute noch fertig machen.“ Ein Satz wie dieser ist wohl jedem schon einmal über die Lippen gekommen. Doch trägt er auch dazu bei, das Ziel zu erreichen? Beispielsweise, indem er den Willen stärkt, sich tatsächlich an die Arbeit zu machen? Eher nicht, meine ich. Denn das Müssen drückt Zwang aus. Und impliziert damit, dass ich etwas nicht will. Tun wir etwas aus einem Zwang heraus, sinkt die Motivation bei den meisten von uns automatisch: „Lust habe ich keine, aber ich muss ja…“ Der eigenen Einstellung zu einer Aufgabe ist es zuträglicher, Formulierungen wie die beiden folgenden zu verwenden:

  • „Ich will den Bericht heute fertig machen.“
  • „Ich mache den Bericht heute fertig.“ 

Auch in der Kommunikation mit Mitarbeitern entfaltet das Müssen eine kritische Wirkung: „Der Bericht muss heute fertig werden.“ Stattdessen könnten Sie sagen:

  • „Mir ist wichtig, dass der Bericht heute fertig wird.“ Oder auch:
  • „Ich bitte Sie, den Bericht heute fertig zu machen.“

Denn diese Aussagen sind deutlich verbindlicher und werden beim Mitarbeiter weniger Widerstand hervorrufen und somit eine positivere Wirkung erzielen.

Hören Sie sich selbst aufmerksam zu und ersetzen das Müssen, wenn Sie es verwendet haben, im Nachgang durch eine konstruktive Formulierung wie in den obigen Beispielen. Mit zunehmender Übung wird sich das Müssen aus Ihrem Wortschatz verabschieden. Ein Post-it, Symbol oder Reminder helfen, sich im Alltag an das Vorhaben zu erinnern.

In den kommenden Folgen geht es unter anderem um Emotionen, die Atmung und den Konjunktiv. Welche Themen interessieren Sie noch? Ich freue mich auf Ihre Nachricht an mail@jochen-gabrisch.de

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