Digitale Sprachanalyse im Coaching

KI hält Einzug in die Personal- und Führungskräfteentwicklung

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Nach Anwendungen in der HR-Administration und vor allem im Recruiting gibt es jetzt auch erste KI-Angebote für die Personal- und Führungskräfteentwicklung. Eines dieser Tools, den PRECIRE® CommPass, nutze ich seit etwa einem Jahr im Coaching. Der CommPass kommt zum Einsatz, wenn es Klienten um die Optimierung ihrer kommunikativen Wirkung geht – ein Thema, das im Berufsalltag ebenso wie in vielen Coaching-Prozessen eine hervorgehobene Rolle spielt.

Auf Basis einer etwa 20-minütigen Sprachprobe (automatisiertes Telefoninterview) erstellt der CommPass ein umfassendes Inventar der Sprache des Teilnehmers. Differenziert nach Zielgruppen wie Führung oder Vertrieb identifiziert der CommPass je Funktion die individuelle Ausprägung acht kommunikativer Wirkweisen, beispielsweise zielorientiert, charismatisch und wertschätzend (siehe Abbildung). Richtig interessant für die Coaching-Arbeit wird es allerdings eine Ebene tiefer: Im äußeren Ring der Ergebnisdarstellung sind pro Wirkweise diejenigen sprachlichen Bausteine (Worte, Wortumgebungen, Satzstrukturen, prosodische Elemente) hinterlegt, die den jeweiligen Kommunikationsstil bewirken. In der Abbildung zahlt beispielsweise der Baustein aktivierende Wörter auf die kommunikative Wirkweise beziehungsorientiert ein. Mit einem einfachen Mouse-over erschließt sich der Klient diejenigen Worte, Wortumgebungen, Satzstrukturen und stimmlichen Parameter, die seine sprachliche Wirkung hervorrufen. Diese individuellen Mikro-Impulse ermöglichen es dem Klienten, im Alltag situativ und zu weiten Teilen selbständig an der Optimierung einzelner Sprachbausteine zu arbeiten.

Praxis-Beispiel

Ein Klient, Führungskraft in einem internationalen Unternehmen, hatte das Anliegen, überzeugender mit den Mitgliedern des oberen Managements zu sprechen. Genauere Ansatzpunkte gab es aus dem firmeninternen Feedback keine. Im CommPass-Profil zeigten sich u.a. eine häufige Nutzung von komplexen und zahlenlastigen Sätzen, ein geringer Einsatz von Zusammenfassungen und aktivierenden Verben sowie eine vergleichsweise hohe Stimmlage – Elemente, die im Senior Management wenig Interesse wecken. Der Klient, ein ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet und bei seinen Mitarbeitern als Führungskraft geschätzt, erkannte auf dieser Datenbasis schnell, dass er sich mit dieser kommunikativen Wirkung bei der Interaktion mit Geschäftsführung und Bereichsleitern selbst im Weg stand. Im Coaching haben wir sein Sprachrepertoire überdacht sowie persönliche Muster und Überzeugungen identifiziert und bearbeitet, die zu diesem Sprachgebrauch führten. Die Kombination aus der Arbeit an detailliert analysierten Sprachmustern (CommPass) und den dahinter liegenden Gedankenmustern brachte dem Klienten einen raschen und nachhaltigen Erfolg. Auch an einer tieferen Stimmlage haben wir im Coaching gearbeitet. Im Ergebnis hat der Klient seine Sprache in Führungsgremien verändert, hin zu einer verdichteten, meinungsstärkeren und aktivierenden Kommunikation. Heute überzeugt er in diesem Kontext in stärkerem Maße über seine Persönlichkeit und Sprache, als dass er versucht, über die detaillierte Darstellung von Fakten eine Wirkung zu erzielen.

Mein Fazit als Coach

Nach etwas mehr als einem Jahr Erfahrung mit dem CommPass kann ich sagen: Die digitale Sprachanalyse ist ein Gewinn für meine Arbeit. Die hohe Granularität der Ergebnisse liefert Klienten und Coach Erkenntnisse, die in dieser Detailschärfe bisher nicht verfügbar waren. Die Ergebnisse tragen dazu bei, ein diffuses Gefühl von „ich könnte wirkungsvoller kommunizieren“ in konkrete, individuell zugeschnittene Handlungsoptionen zu überführen. Die Entwicklungsimpulse auf Satz-, Wort- und Stimmebene machen es den Klienten leicht, gezielt an einzelnen Sprachbausteinen zu arbeiten und so ihre kommunikative Wirkung im Alltag situativ zu optimieren.

In der Anwendung ist der CommPass vergleichbar mit klassischen Persönlichkeitsinventaren, wobei die digitale Sprachanalyse aufgrund ihres hohen Innovationsgrades und der schnellen Durchführung auf großes Interesse bei Klienten trifft. Die Art der Rückmeldung und Validierung ist analog derjenigen konventioneller Inventare; der CommPass lädt meiner Erfahrung nach in vielen Fällen sogar zu intensiveren Gesprächen ein.

Ausblick

Wird sich Coaching durch digitale Angebote verändern? Auf alle Fälle. Meiner Einschätzung nach gehören KI-Lösungen wie der PRECIRE® CommPass in spätestens drei bis fünf Jahren zum Standard in der Personal- und Führungskräfteentwicklung.

Kann die Digitalisierung ein persönliches Coaching ersetzen? Ich denke nicht. Das individuelle und vertrauliche Vier-Augen-Gespräch ist ein Wert an sich, den auch ein smartes Tool meiner Einschätzung nach mittelfristig nicht ersetzen kann. Vielmehr braucht es das persönliche Gespräch, um die Ergebnisse zu validieren, einzuordnen und die passenden Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und in den Alltag zu überführen.

Wenn Sie mehr über diese innovative Technologie und deren HR-Anwendungen erfahren wollen, kontaktieren mich gern unter mail@jochen-gabrisch.de

Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht des Finanzdienstleisters Universal Investment.

Digitale Sprachanalyse für HR – Die PRECIRE®-Technologie

PRECIRE® analysiert Sprache in Bezug auf individuelle Muster und leitet daraus kommunikative Wirkweisen, Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale ab. Die Basis ist ein ca. viertelstündiges, automatisiertes Telefoninterview.

Algorithmen zerlegen die Sprachprobe in eine Vielzahl sprachlicher Bausteine und gleichen diese mit den Messwerten einer großen, repräsentativen Referenzgruppe ab. Die HR-Anwendungsgebiete liegen in der Personalauswahl und -entwicklung.

Personalauswahl

Der PRECIRE® JobFit 2.0 trifft valide Aussagen zum Passungsfaktor eines Kandidaten. Neben maßgeschneiderten Profilen sind aktuell die Funktionen Vertrieb, Führung, Service, Back-Office und Beratung verfügbar.

Neben dem Passungsfaktor weist der JobFit 2.0 detailliert die individuelle Ausprägung funktionsspezifischer Kompetenzen aus und ist somit in der Ergebnisdarstellung am ehesten mit klassischen Persönlichkeitsinventaren vergleichbar.

PRECIRE® verbessert die Candidate Experience, senkt die Frühphasenfluktuation um bis zu 45%, die Time2Hire um bis zu 60% und vermeidet den Drop-Out von echten Talenten.

Personalentwicklung

Der PRECIRE® CommPass trifft differenzierte Aussagen über kommunikative Wirkweisen. Aktuell ist der CommPass für die Funktionen Führung, Vertrieb und Service verfügbar.

Aufgrund der interaktiven, granularen Ergebnispräsentation eignet sich der CommPass sehr gut zum Einsatz in selbstgesteuerten Lernprozessen und addiert eine bisher nicht gekannte Präzision im Coaching. In der Abbildung ist dargestellt, wie der sprachliche Baustein „Aktivierende Wörter“ (2. Ring) auf die Wirkweise „beziehungsorientiert“ einzahlt.

Unternehmen

PRECIRE Technologies ist Innovationsführer für Sprachanalysetechnologie. PRECIRE® dekodiert geschriebene und gesprochene Sprache und liefert faszinierende Einblicke in das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Kommunikation und Verhalten. Die Software nutzt Sprache, um ein valides Bild von Mitarbeitern, Kunden, Bewerbern und weiteren Gesprächspartnern zu zeichnen. PRECIRE® eröffnet so neue Wege zu intelligenter, individualisierter und effizienter Interaktion.

In dem jungen Unternehmen mit Sitz in Aachen arbeiten Experten u.a. aus den Bereichen Linguistik, Psychologie und Machine Learning.

Weitere Informationen

Wenn Sie mehr über diese innovative Technologie und deren HR-Anwendungen erfahren wollen, sehen Sie das PRECIRE® Video oder kontaktieren mich unter mail@jochen-gabrisch.de

Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht des Finanzdienstleisters Universal Investment.