Wie Sie Ihre kommunikative Wirkung steigern – Teil II

Gute Kommunikation wird in agilen Arbeitswelten immer wichtiger; das gilt umso mehr in der Führungsrolle. Dabei hängt der Wirkungsgrad von Sprache von einer Vielzahl von Bausteinen ab. Derselbe Sachverhalt entfaltet beispielsweise je nach Formulierung eine sehr unterschiedliche Wirkung:

  • Nicht schlecht, aber die Präsentation war zwei Tage zu spät fertig.
  • Ihre Präsentation gefällt mir sehr gut, vielen Dank. Für’s nächste Mal bitte ich Sie, die Zeit besser im Blick zu behalten.

Es lohnt sich also, die eigene kommunikative Wirkung zu optimieren. In loser Folge stelle ich Ihnen dafür sprachliche Bausteine vor und wie Sie diese trainieren können, um noch überzeugender zu kommunizieren. Weiter geht es in dieser Folge einem weit verbreiteten Wirkminimierer, dem Müssen.

„Den Bericht muss ich heute noch fertig machen.“ Ein Satz wie dieser ist wohl jedem schon einmal über die Lippen gekommen. Doch trägt er auch dazu bei, das Ziel zu erreichen? Beispielsweise, indem er den Willen stärkt, sich tatsächlich an die Arbeit zu machen? Eher nicht, meine ich. Denn das Müssen drückt Zwang aus. Und impliziert damit, dass ich etwas nicht will. Tun wir etwas aus einem Zwang heraus, sinkt die Motivation bei den meisten von uns automatisch: „Lust habe ich keine, aber ich muss ja…“ Der eigenen Einstellung zu einer Aufgabe ist es zuträglicher, Formulierungen wie die beiden folgenden zu verwenden:

  • „Ich will den Bericht heute fertig machen.“
  • „Ich mache den Bericht heute fertig.“ 

Auch in der Kommunikation mit Mitarbeitern entfaltet das Müssen eine kritische Wirkung: „Der Bericht muss heute fertig werden.“ Stattdessen könnten Sie sagen:

  • „Mir ist wichtig, dass der Bericht heute fertig wird.“ Oder auch:
  • „Ich bitte Sie, den Bericht heute fertig zu machen.“

Denn diese Aussagen sind deutlich verbindlicher und werden beim Mitarbeiter weniger Widerstand hervorrufen und somit eine positivere Wirkung erzielen.

Hören Sie sich selbst aufmerksam zu und ersetzen das Müssen, wenn Sie es verwendet haben, im Nachgang durch eine konstruktive Formulierung wie in den obigen Beispielen. Mit zunehmender Übung wird sich das Müssen aus Ihrem Wortschatz verabschieden. Ein Post-it, Symbol oder Reminder helfen, sich im Alltag an das Vorhaben zu erinnern.

In den kommenden Folgen geht es unter anderem um Emotionen, die Atmung und den Konjunktiv. Welche Themen interessieren Sie noch? Ich freue mich auf Ihre Nachricht an mail@jochen-gabrisch.de

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Wie Sie Ihre kommunikative Wirkung steigern – Teil I

Gute Kommunikation wird in agilen Arbeitswelten immer wichtiger; das gilt umso mehr in der Führungsrolle. Dabei hängt der Wirkungsgrad von Sprache von einer Vielzahl von Bausteinen ab. Derselbe Sachverhalt entfaltet beispielsweise je nach Formulierung eine sehr unterschiedliche Wirkung:

  • Nicht schlecht, aber die Präsentation war zwei Tage zu spät fertig.
  • Ihre Präsentation gefällt mir sehr gut, vielen Dank. Für’s nächste Mal bitte ich Sie, die Zeit besser im Blick zu behalten.

Es lohnt sich also, die eigene kommunikative Wirkung zu optimieren. In loser Folge stelle ich Ihnen dafür sprachliche Bausteine vor und wie Sie diese trainieren können, um noch überzeugender zu kommunizieren. Los geht es in dieser Folge mit zwei Wirkverstärkern mit Fokus auf die handelnden Personen und die Aussprache.

„Das bekommt man hin.“ Doch wer ist gemeint? Die handelnde Person kommt in diesem Satz nicht vor, die Verantwortung bleibt diffus. Besser ist es, Personen konkret zu benennen: „Das bekomme ich hin.“ Oder: „Das bekommt unser Team hin.“ Für den Fall, dass sich das Man häufiger in Ihrem Wortschatz wiederfindet, überlegen Sie zunächst, was der Grund dafür sein könnte. Ist es beispielsweise nur eine Angewohnheit oder tun Sie sich tatsächlich schwer, in diesen Situationen die Verantwortung festzulegen? Probieren Sie in Schritt zwei aus, häufiger ich, Sie oder wir zu sagen. Hören Sie sich dazu selbst gut zu und ersetzen das Man durch ein konkretes Subjekt. Zu Beginn wird Ihnen ein Man wahrscheinlich erst im Nachhinein auffallen. Doch die Zeit, bis Sie es bemerken, wird mit zunehmender Übung kürzer und schon bald fällt Ihnen rechtzeitig auf, wenn Ihnen eines auf der Zunge liegt. Ein Post-it oder Kalendereintrag können Sie unterstützen, im Alltag daran zu denken. In der Folge wird die Zuordnung von Verantwortung klarer.

Viele Führungskräfte sind schnelle Denker. Oft drückt sich das auch in der Sprechgeschwindigkeit aus. Eine hohe Sprechgeschwindigkeit kann allerdings schon für sich genommen das Verständnis erschweren und der Sprecher hinterlässt leicht einen gehetzten Eindruck. Noch schwerer fällt es zuzuhören, wenn der Gesprächspartner zusätzlich zu der hohen Geschwindigkeit den Mund kaum öffnet und ins Nuscheln kommt. Um an einer klaren Aussprache zu arbeiten, hat sich der Korken bewährt: Nehmen Sie einen Korken ein kleines Stück in den Mund, halten ihn locker mit den Zähnen fest und lesen Sie drei Minuten einen beliebigen Text vor. Versuchen Sie dabei, die einzelnen Worte gut verständlich auszusprechen. Schon nach wenigen Trainingseinheiten werden Sie feststellen, dass Sie Ihre Gedanken klarer aussprechen und ihnen somit zu einer stärkeren Wirkung verhelfen.

In den kommenden Folgen geht es unter anderem um Zwang, Atmung und das Aber. Welche Themen interessieren Sie noch? Ich freue mich auf Ihre Nachricht an mail@jochen-gabrisch.de

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