Gut gefragt – Eine wirksame Frage zum leichten Einstieg in kritisches Feedback

Kritisches Feedback zu geben, ist bei vielen Führungskräften nicht sonderlich beliebt. Es gibt angenehmere Gespräche. Das zieht meiner Erfahrung nach oft nach sich, dass kritisches Feedback „auf die lange Bank geschoben“ wird und, wenn es dann so weit ist, der „Schärfegrad“ höher ausfällt als zuträglich. Es gibt allerdings eine ebenso leichte wie wirkungsvolle Frage, um Mitarbeiter frühzeitig anzusprechen, wenn sie nicht mehr die erwartete Leistung erbringen oder das gewünschte Verhalten zeigen:

Was ist denn los?

Verknüpft mit Ihrer Beobachtung aus dem Alltag, kommen Sie beispielsweise mit den folgenden Variationen von „Was ist denn los?“ leicht ins Gespräch:

  • „Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit öfter zu spät kommen. Was steckt denn dahinter?“
  • „Mir ist aufgefallen, dass Ihre Präsentationen immer wieder einmal kleinere Fehler enthalten und Sie auch in Meetings nicht mehr so viele Ideen einbringen. Das war bisher nicht so und deshalb wollte ich Sie fragen, was es damit auf sich hat?“
  • „Bei unserem Abteilungsmeeting waren Sie die beiden letzen Male recht schweigsam. Was war denn los?“
  • „In letzter Zeit habe ich zwei-drei Mal mitbekommen, dass in Ihren Gesprächen mit Herrn Müller ein gereizter Ton herrschte. Wie kam es denn dazu?“

Erwartungshaltung

Diese Frage verfolgt zwei Ziele: Zum einen signalisieren Sie dem Mitarbeiter, dass Sie sein abweichendes Verhalten bemerkt haben, was schon für sich genommen zu einer positiven Veränderung führen kann. Zum anderen erhalten Sie die Chance, unvoreingenommen nach den Ursachen zu fragen, ohne dass Sie gleich zu stärkeren Interventionen wie einem Kritikgespräch greifen müssten.

Inhaltlich ist die Bandbreite möglicher Antworten groß, beispielsweise Über- oder Unterforderung, soziale Spannungen, private Sorgen, mangelnde Anerkennung oder Stillstand der Karriere. Mitunter werden Sie allerdings auch Antworten wie diese bekommen: „Das war ein Ausrutscher, das wird schon wieder.“ Oder: „Da hatte ich wohl ein kleines Formtief.“

Wenn der Mitarbeiter in einem erstmaligen Gespräch über die Angelegenheit wie in den beiden Beispielen wenig zu seinen Gründen sagt und nicht im Detail darüber sprechen will, ist es meist am geschicktesten, nicht weiter zu insistieren und das Thema für den Moment auf sich beruhen zu lassen. Durch Ihre Frage haben Sie Ihren Mitarbeiter leicht „angestupst“* und damit ein wichtiges Ziel wahrscheinlich schon erreicht: ihn für das Thema zu sensibilisieren. Mit einiger Sicherheit wird er sich über Ihre Frage Gedanken machen und sein Verhalten reflektieren.

Erst, wenn sich das Verhalten des Mitarbeiters nicht ändern sollte, ist es Zeit für ein Kritikgespräch. In diesem Fall haben Sie den Einstieg bereits bewältigt und können sich auf das kurze Klärungsgespräch beziehen: „Neulich habe ich Sie darauf angesprochen, dass… Dieses Verhalten ist mir inzwischen wiederholt aufgefallen, weshalb ich heute gern ausführlicher mit Ihnen darüber sprechen möchte.“

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Einstieg in Kritikgespräche? Ich freue mich über Kommentare auf linkedin oder an mail@jochen-gabrisch.de

Dieser Beitrag enthält Auszüge aus meinem aktuellen Buch Führungsinstrument Mitarbeiterkommunikation, das bei managerSeminare erschienen ist.

*Ein spannendes Buch zum Thema: Thaler/Sunstein, Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt

Beitragsbild von Arek Socha auf Pixabay.