Future of Work: Im Gespräch mit Britta Gayko, Managing Partnerin der Commerz Business Consulting

Britta Gayko ist Managing Partnerin der Commerz Business Consulting (CBC), der Inhouse-Beratungsgesellschaft der Commerzbank. Die CBC mit ihren über 130 Mitarbeiter*innen ist weiter auf Wachstumskurs und wurde in diesem Jahr mit dem Preis #Great Place to Work ausgezeichnet – Anlass für unser Gespräch. In diesem ersten von zwei Teilen geht es um #Führung, # Leadership und #Unternehmenskultur.

Frau Gayko, in diesem Jahr ist die CBC bei „Great Place to Work“ (GPTW) aus dem Stand unter die „100 Besten Arbeitgeber Deutschlands“ gekommen. Was hat sich dadurch verändert?

Zunächst haben wir uns natürlich über die Anerkennung insgesamt sehr gefreut. In den Kategorien Fairness und Teamgeist haben wir sogar mit „Exzellent“ abgeschnitten. Insbesondere für junge Kolleg*innen und Bewerber*innen ist das zunehmend wichtig – sie fordern eine externe Evidenz, dass wir tatsächlich ein Great Place to Work sind. Wir haben inzwischen mit diesem Thema eine Vorbildfunktion im Konzern und in der Branche eingenommen. Das freut mich besonders, denn bei der Preisverleihung wurden wir mit diesen Worten auf der Bühne begrüßt: „Endlich ist auch mal eine deutsche Großbank dabei.“

Welche Impulse zur Veränderung haben Sie mitgenommen?

GPTW hat uns als Ergebnis des intensiven Evaluationsprozesses in der Tat auch zwei unbequeme „Hingucker“ aufgezeigt: Purpose und Stolz. „Als Team seid Ihr extrem stark, warum ist Euer Wert bei Stolz vergleichsweise gering?“ Daran haben wir gearbeitet, lieb gewonnene Paradigmen und Verhaltensweisen hinterfragt. Wir haben angefangen zu lernen: Wie geht Selbstbewusstsein als Inhouse Consulting-Gesellschaft, die klassischer Weise aus dem Hintergrund arbeitet und traditionell die eigenen Kunden und Auftraggeber glänzen lässt?

Ein wichtiges Element ist beispielsweise, dass wir mehr über unsere Erfolge sprechen und jetzt auch nach außen Präsenz zeigen, den Mut haben, beispielsweise auf LinkedIn eine eigene inhaltliche Meinung zu vertreten – „working out loud“. Das war erst einmal ungewohnt. Aber inzwischen bekommen wir aus allen Richtungen viel positives Feedback für unsere Arbeit. Das macht uns stolz und für Mitarbeiter*innen noch attraktiver.

Was versteckt sich hinter dem zweiten Hingucker Purpose?

Das war die klare Botschaft: „Wir brauchen einen Sinn – Warum bin ich hier?“ Die Antwort auf diese Frage war ein Workshop-Prozess, aus dem unser Leitbild entstanden ist: Zukunft gemeinsam gestalten. Das haben wir dann zusammen mit Inhalt gefüllt, das war das Spannende. Abgeleitet daraus fokussieren wir uns heute beispielsweise stärker auf Innovationen. Und nicht zuletzt haben wir im Leadership-Team durch die vielen, durchaus auch kontroversen Diskussionen, mehr Klarheit über uns erreicht und arbeiten besser zusammen.

Wenn wir hinter die Kulissen schauen – was bedeuten eine faire Unternehmenskultur und Teamwork im Alltag der CBC? Wie kommt es zu der sehr guten Platzierung bei GPTW?

Allein zum Thema Unternehmenskultur haben wir viele Seiten mit Beispielen eingereicht, es gibt also nicht die zwei oder drei Einzelfaktoren, die hinter dem Erfolg stehen. Dennoch ist mir bei allen Preisträgern eine Gemeinsamkeit aufgefallen: eine hervorragende Leistung entsteht durch konsequente Mitarbeiterorientierung. Das ist auch unser Erfolgsrezept – wir suchen die Nähe zu unseren Menschen.

Worin zeigt sich das?

Das kommt ganz unterschiedlich zum Ausdruck: Wir Partner*innen haben keine eigenen Büros, sondern sitzen zusammen im offenen Büro; generell gibt es die tradierten Statussymbole bei uns nicht. Unabhängig von Seniorität und Titel krempeln wir alle die Ärmel hoch, wenn es heiß hergeht und die Kolleg*innen Unterstützung benötigen; da kann ich nicht sagen: „Ich bin zu high Level, ich gehe da nicht rein.“

Wir interessieren uns ehrlich füreinander und kennen uns in unseren Lebenssituationen – Stichwort Work-Life-Harmonie. „Humans learn from discovery, not from being taught“ – Wir investieren viel in Learning Journeys und neues Lernen an unseren internen Office-Days, um selber zu erleben, zu machen und auszuprobieren. Ein Beispiel unter vielen sind unsere TEX-Days, an denen wir neue Technologien wie z.B. Künstliche Intelligenz und Entwicklungen im Bereich Customer Experience kennenlernen, anwenden und auch mit externen Partnern diskutieren. Wir pflegen selbstverständlich eine intensive Feedback-Kultur. Ein CBC-Consultant spricht direkt mit einem Manager der Bank, kann Fragen stellen, egal ob dem Vorstand der Comdirect oder der Strategiechefin der Commerzbank. Uns ist wichtig, dass unsere Mitarbeiter*innen glänzen können und für ihre Leistung und Erfolge sichtbare Wertschätzung bekommen – wir nennen das „Fair-Share“.

Können Sie unseren Lesern das an einem Beispiel veranschaulichen?

Ja, natürlich. Einer unserer Berater, 26 Jahre alt, ist Experte zum Thema Blockchain. Als wir eine Anfrage erhielten, auf einer großen Bühne, auf der normalerweise CIOs sprechen, einen Vortrag zum Thema Blockchain beizusteuern, haben wir schnell entschieden, dass der Kollege selbst auftritt. Anstatt, wie noch oft üblich, eine Führungskraft zu briefen, die dann auf der Bühne steht. Mein Auftraggeber hat da übrigens mitgemacht, was ich heute noch sehr schätze. Ein Symbol für eine neue Form der Zusammenarbeit.

Das Ganze hatte gleich mehrere positive Auswirkungen. Zunächst hatte der Vortrag eine große inhaltlich Tiefe. Und selbst von externen Kolleg*innen wurde der Erfolg wahrgenommen: „Das ist ja irre, was dieser junge Mann schafft.“ Das ist natürlich eine enorme Ermutigung, auch für die übrigen Kolleg*innen. Und führt dazu, dass die Mannschaft stolz darauf ist, was jeder erreichen kann. Dass das Management sich nicht davorstellt, das ist eine neue Form des Denkens und Arbeitens.

Danke für diese ersten Einblicke, Frau Gayko.

Im zweiten Teil setzen wir unser Gespräch mit den Themen #Innovation und #Zukunft der Arbeit fort.

Future of Work II: Im Gespräch mit Britta Gayko, Managing Partnerin der Commerz Business Consulting

Britta Gayko ist Managing Partnerin der Commerz Business Consulting (CBC), der Inhouse-Beratungsgesellschaft der Commerzbank. Die CBC mit ihren über 130 Mitarbeiter*innen ist weiter auf Wachstumskurs und wurde in diesem Jahr mit dem Preis #GreatPlaceToWork ausgezeichnet – Anlass für unser Gespräch. In diesem zweiten und vorerst letzten Teil geht es um #Innovation, die #ZukunftderArbeit und #DigitalLeadership.

Frau Gayko, Sie haben im ersten Teil unseres Gesprächs Innovation als zentrales Thema angesprochen, abgeleitet aus dem Purpose der CBC „Zukunft gemeinsam gestalten“. Wie sorgen Sie für neue Impulse im Unternehmen?

Die neuen Möglichkeiten und Ansprüche unserer vernetzten Welt erfordern es aus meiner Sicht, dass wir rauskommen aus unserer Box. Von einer Konferenz habe ich diesen Satz mitgenommen: „Alle sitzen im Flieger nach Asien und Eure Kunden sind längst dort. Wo seid Ihr?“ Was können wir also beispielsweise von Ländern lernen, die technologisch weiter sind als wir oder ähnliche Probleme haben? Im letzten Jahr war ich im Rahmen einer Learning Journey und Vortragsreise in Japan, einem Land, das gleichzeitig sehr traditionsbewusst und technologieaffin ist.

Wie bekommen die Japaner diesen Spagat hin? Was können wir von ihnen auf dem Weg zu einem digitalen Technologieunternehmen lernen? Um nur ein kleines Beispiel herauszugreifen: In einer Bankfiliale werden vom freundlichen Service-Roboter auch gleich noch Handtaschen per eCommerce testweise zum Kauf angeboten. Für uns unvorstellbar; in Japan nutzen die Kundinnen diesen Service ganz selbstverständlich parallel zum Banking mit. Das werden wir nicht 1:1 nachahmen. Aber durch die fast befremdlichen Eindrücke entstehen neue Fragen: Wie weit können wir gehen mit neuen Services? Was ist die naheliegende und machbare Evolution, was die notwendige Revolution, um Kunden besser zu bedienen? Wo sind die Grenzen einer Bank? Wie generieren wir morgen relevante Margen?

Welche anderen Quellen nutzen Sie für Innovationen und neues Denken?

Neben internationalen Partnerschaften pflegen wir ein Netzwerk zu Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen vor Ort, auch über Branchengrenzen hinweg. Zielgerichtete Vernetzungen, davon bin ich überzeugt, sind ein wesentlicher Erfolgsgarant für die Zukunft, egal ob in Berlin, Kopenhagen, Amsterdam, Frankfurt oder Tokio.

Ein Beispiel ist unsere Kooperation mit Professor Dr. Alexander Mädche vom Karlsruher Institut für Technologie (#KIT), z.B. zum Thema „Consumer Behavior and the Design of Digital Choice Environments“. In unserer Zusammenarbeit mit Fujitsu, einem weiteren Beispiel, legen wir den Fokus auf neue Technologien wie Blockchain und Artificial Intelligence und lernen dabei gemeinsam. Sprachdialogsysteme am Kunden oder neue Geschäftsmodelle via Blockchain im Trade Finance sind Themen, die wir gemeinsam mit der comdirect bzw. dem Research&Development der Commerzbank im MainIncubator voranbringen.

Wie kommen Ihre Mitarbeiter*innen an diesem Punkt ins Spiel?

Eine Customer Experience, für die Kund*innen bereit sind zu zahlen, die uns also einen echten Wettbewerbsvorteil liefert, bekommen Sie dauerhaft nur mit motivierten und damit leistungsstarken Mitarbeiter*innen hin. Das ist meine langjährige Erfahrung, noch einmal verstärkt durch die Zusammenarbeit mit GPTW. Die Gleichung ist einfach: Motivierte Mitarbeiter = besseres Kundenerlebnis = Chance auf mehr Ertrag.

Dafür brauchen wir einen Mitarbeitertypus, der neugierig und offen ist für Neues und der Lust hat, sich mit Technik & IT zu beschäftigen und dieses auszuprobieren, um zu lernen, was Technik und Daten können. Das gilt gleichermaßen für ältere und jüngere Mitarbeiter*innen. Aufgeschlossenheit und kontinuierliche Qualifizierung sind dabei fundamentale Bestandteile.

Welche Fähigkeiten sind in der neuen Arbeitswelt noch gefragt?

Stärker nachgefragt sind darüber hinaus Fähigkeiten wie gemeinsam im Team neue Ideen zu finden und Empathie zu zeigen. Um zu verstehen, was Technik und Daten nicht können und was Menschen brauchen, nämlich Menschen. Ohne das „WIR“ geht es nicht.

Alles scheint im Wandel begriffen – wie sehen Berufsbilder im Banking 2025 Ihrer Einschätzung nach aus?

Bekannte Berufsprofile werden verschwinden: Ich denke, dass der reine Generalist zu oberflächlich bleibt. Und ich sehe, dass die reine Spezialistin abgelöst wird, weil viele Aufgaben zunehmend auch intelligente Systeme erledigen können. Das beginnt gerade mit hohem Tempo im Asset Management, um nur ein Beispiel herauszustellen.

Welche Anforderungen stellt diese in Summe disruptive Entwicklung an Führung?

Führung wird sich spürbar wandeln und auf neuen Paradigmen basieren. Während in traditionellen Konzernen von heute oft noch der beste Spezialist auch die oberste Führungskraft ist, heißt Führung in der Zukunft vor allem, Teams zu befähigen, mutig in unbekannte Situationen hineinzugehen, sich schnell neues Wissen anzueignen und immer wieder in neuen Konstellationen miteinander zu arbeiten.

Führungskräfte übersetzen dabei die oft stark kennzahlen-orientierte Sprache des Top-Managements in attraktive Visionen mit anspornenden Emotionen, sie räumen Steine aus dem Weg, inspirieren, ermutigen, hören ihren Mitarbeiter*innen mit Feingefühl zu, um deren Ideen aufzunehmen, experimentieren und sind ebenso sichtbar wie nahbar dabei.

Welchen Typus Führungskraft erfordert das?

Nur wer selbst neugierig, ambitioniert und begeistert ist, kann in anderen Menschen Neugier, Ambition und Begeisterung wecken. All das braucht es, um eine Leistungskultur in einer modernen, digitalen Welt aufrecht zu erhalten.

Danke für diese spannenden Ein- und Ausblicke, Frau Gayko.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, finden Sie hier den ersten Teil unseres Gesprächs. Oder folgen Sie Britta Gayko auf linkedin.