Future of Work II: Im Gespräch mit Britta Gayko, Managing Partnerin der Commerz Business Consulting

Britta Gayko ist Managing Partnerin der Commerz Business Consulting (CBC), der Inhouse-Beratungsgesellschaft der Commerzbank. Die CBC mit ihren über 130 Mitarbeiter*innen ist weiter auf Wachstumskurs und wurde in diesem Jahr mit dem Preis #GreatPlaceToWork ausgezeichnet – Anlass für unser Gespräch. In diesem zweiten und vorerst letzten Teil geht es um #Innovation, #FutureOfWork und #DigitalLeadership.

Frau Gayko, Sie haben im ersten Teil unseres Gesprächs Innovation als zentrales Thema angesprochen, abgeleitet aus dem Purpose der CBC „Zukunft gemeinsam gestalten“. Wie sorgen Sie für neue Impulse im Unternehmen?

Die neuen Möglichkeiten und Ansprüche unserer vernetzten Welt erfordern es aus meiner Sicht, dass wir rauskommen aus unserer Box. Von einer Konferenz habe ich diesen Satz mitgenommen: „Alle sitzen im Flieger nach Asien und Eure Kunden sind längst dort. Wo seid Ihr?“ Was können wir also beispielsweise von Ländern lernen, die technologisch weiter sind als wir oder ähnliche Probleme haben? Im letzten Jahr war ich im Rahmen einer Learning Journey und Vortragsreise in Japan, einem Land, das gleichzeitig sehr traditionsbewusst und technologieaffin ist.

Wie bekommen die Japaner diesen Spagat hin? Was können wir von ihnen auf dem Weg zu einem digitalen Technologieunternehmen lernen? Um nur ein kleines Beispiel herauszugreifen: In einer Bankfiliale werden vom freundlichen Service-Roboter auch gleich noch Handtaschen per eCommerce testweise zum Kauf angeboten. Für uns unvorstellbar; in Japan nutzen die Kundinnen diesen Service ganz selbstverständlich parallel zum Banking mit. Das werden wir nicht 1:1 nachahmen. Aber durch die fast befremdlichen Eindrücke entstehen neue Fragen: Wie weit können wir gehen mit neuen Services? Was ist die naheliegende und machbare Evolution, was die notwendige Revolution, um Kunden besser zu bedienen? Wo sind die Grenzen einer Bank? Wie generieren wir morgen relevante Margen?

Welche anderen Quellen nutzen Sie für Innovationen und neues Denken?

Neben internationalen Partnerschaften pflegen wir ein Netzwerk zu Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen vor Ort, auch über Branchengrenzen hinweg. Zielgerichtete Vernetzungen, davon bin ich überzeugt, sind ein wesentlicher Erfolgsgarant für die Zukunft, egal ob in Berlin, Kopenhagen, Amsterdam, Frankfurt oder Tokio.

Ein Beispiel ist unsere Kooperation mit Professor Dr. Alexander Mädche vom Karlsruher Institut für Technologie (#KIT), z.B. zum Thema „Consumer Behavior and the Design of Digital Choice Environments“. In unserer Zusammenarbeit mit Fujitsu, einem weiteren Beispiel, legen wir den Fokus auf neue Technologien wie Blockchain und Artificial Intelligence und lernen dabei gemeinsam. Sprachdialogsysteme am Kunden oder neue Geschäftsmodelle via Blockchain im Trade Finance sind Themen, die wir gemeinsam mit der comdirect bzw. dem Research&Development der Commerzbank im MainIncubator voranbringen.

Wie kommen Ihre Mitarbeiter*innen an diesem Punkt ins Spiel?

Eine Customer Experience, für die Kund*innen bereit sind zu zahlen, die uns also einen echten Wettbewerbsvorteil liefert, bekommen Sie dauerhaft nur mit motivierten und damit leistungsstarken Mitarbeiter*innen hin. Das ist meine langjährige Erfahrung, noch einmal verstärkt durch die Zusammenarbeit mit GPTW. Die Gleichung ist einfach: Motivierte Mitarbeiter = besseres Kundenerlebnis = Chance auf mehr Ertrag.

Dafür brauchen wir Mitarbeiter*innen, die neugierig und offen sind für Neues und die Lust haben, sich mit Technik & IT zu beschäftigen und dieses auszuprobieren, um zu lernen, was Technik und Daten können. Das gilt gleichermaßen für ältere und jüngere Mitarbeiter*innen. Aufgeschlossenheit und kontinuierliche Qualifizierung sind dabei fundamentale Bestandteile.

Welche Fähigkeiten sind in der neuen Arbeitswelt noch gefragt?

Stärker nachgefragt sind darüber hinaus Fähigkeiten wie gemeinsam im Team neue Ideen zu finden und Empathie zu zeigen. Um zu verstehen, was Technik und Daten nicht können und was Menschen brauchen, nämlich Menschen. Ohne das „WIR“ geht es nicht.

Alles scheint im Wandel begriffen – wie sehen Berufsbilder im Banking 2025 Ihrer Einschätzung nach aus?

Bekannte Berufsprofile werden verschwinden: Ich denke, dass der reine Generalist zu oberflächlich bleibt. Und ich sehe, dass die reine Spezialistin abgelöst wird, weil viele Aufgaben zunehmend auch intelligente Systeme erledigen können. Das beginnt gerade mit hohem Tempo im Asset Management, um nur ein Beispiel herauszustellen.

Welche Anforderungen stellt diese in Summe disruptive Entwicklung an Führung?

Führung wird sich spürbar wandeln und auf neuen Paradigmen basieren. Während in traditionellen Konzernen von heute oft noch der beste Spezialist auch die oberste Führungskraft ist, heißt Führung in der Zukunft vor allem, Teams zu befähigen, mutig in unbekannte Situationen hineinzugehen, sich schnell neues Wissen anzueignen und immer wieder in neuen Konstellationen miteinander zu arbeiten.

Führungskräfte übersetzen dabei die oft stark kennzahlen-orientierte Sprache des Top-Managements in attraktive Visionen mit anspornenden Emotionen, sie räumen Steine aus dem Weg, inspirieren, ermutigen, hören ihren Mitarbeiter*innen mit Feingefühl zu, um deren Ideen aufzunehmen, experimentieren und sind ebenso sichtbar wie nahbar dabei.

Welchen Typus Führungskraft erfordert das?

Nur wer selbst neugierig, ambitioniert und begeistert ist, kann in anderen Menschen Neugier, Ambition und Begeisterung wecken. All das braucht es, um eine Leistungskultur in einer modernen, digitalen Welt aufrecht zu erhalten.

Danke für diese spannenden Ein- und Ausblicke, Frau Gayko.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, finden Sie hier den ersten Teil unseres Gesprächs. Oder folgen Sie Britta Gayko auf linkedin.