Im Gespräch mit Heike Cohausz, Geschäftsführerin P4 Career Consultants

Fokus berufliche Neuorientierung

Heike Cohausz ist eine von vier Partnern der P4 Career Consultants und verantwortet seit 2012 als Geschäftsführerin die Beratung in Düsseldorf und Frankfurt. Zuvor arbeitete sie langjährig als Geschäftsführerin einer führenden Outplacement-Gesellschaft. P4 Career Consultants sind meine Kooperationspartner seit 2012.

Was bereitet Ihnen an der Arbeit mit Ihren Klienten am meisten Freude, Frau Cohausz? 

Die größte Freude ist für mich der „Vorher/Nachher-Effekt“. In den ersten Gesprächen erlebe ich Führungskräfte, die gerade dabei sind, eine Krise zu bewältigen, die sie in unterschiedlichem Grad in ihrem Selbstverständnis und -bewusstsein beeinflusst. Das geht häufig einher mit einer angenommenen Erwartungshaltung, wie „man“ sich in der Neuorientierung präsentieren sollte und was der Markt bzw. der Gesprächspartner vermeintlich wünscht. Im Laufe der Beratung verändert sich dies zusehends: Unsere Klienten wachsen, entwickeln sich und präsentieren sich authentisch auf Augenhöhe.

Wie kommt es, dass selbst gestandene Führungskräfte im Prozess der beruflichen Neuorientierung verunsichert scheinen?

Unser „klassischer“ Klient hat eine sehr erfolgreiche Karriere gemacht, die bis dahin davon gekennzeichnet war, quasi automatisch zu funktionieren. Das heißt, zur richtigen Zeit kam die richtige Ansprache oder Unterstützung durch einen Förderer/Mentor/Personalberater, was zum nächsten Schritt führte. Fällt dieser Automatismus weg, stehen unsere Klienten vor der Herausforderung, ihre Karriere erstmals aktiv zu steuern.

Was bedeutet das für Ihre Beratung?

Ich bin davon überzeugt, dass jeder unserer Klienten auch eigenständig eine Anschlussposition im Markt findet. Und genau das macht die besondere Anforderung unserer Klienten aus: Es geht nicht darum, sich „grundsätzlich“ am Markt zurecht zu finden, die Unterlagen fehlerfrei aufzubereiten und in Interviews „das Richtige“ zu sagen. Es geht vielmehr darum, in dieser Phase weiter zu wachsen, die eigene Marke zu entwickeln und fokussiert zu kommunizieren.

Deshalb beginnen wir in der Beratung nicht beim operativen ‚Doing‘, sondern eine Ebene tiefer: Welche Werte, welche innere Haltung und welche Überzeugungen prägen das Verhalten unseres Klienten als Führungskraft? Hierauf aufbauend erarbeiten wir die Kausalketten zwischen Werten, Stärken/Schwächen, Führungsverständnis- und verhalten sowie tatsächlich generierten Erfolgen. Während dieser Arbeit werden natürlich auch Schwächen und Brüche sichtbar, die wir bearbeiten. Im Ergebnis entsteht eine Landkarte der Führungspersönlichkeit, die das Zusammenwirken von Fachkompetenz und Persönlichkeit sichtbar macht.

Da Top-Manager sich bei der Neupositionierung immer in einem anspruchsvollen Wettbewerb auf Augenhöhe befinden, ist die Feinjustierung in der Abgrenzung zu anderen entscheidend. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine Nasenlänge Vorsprung durch klare Botschaften, Unterlegen der Aussagen mit präzise geschilderten Erfolgen und authentisches Darstellen der eigenen Wirksamkeit als Führungspersönlichkeit.

Was erwarten Sie an dieser Stelle im Prozess von Ihren Klienten?

Wesentliche Voraussetzungen, dass diese Neupositionierung gelingt, sind die Bereitschaft, zu reflektieren, sich selbst zu steuern sowie Offenheit und Lernfähigkeit. Diese Phase beinhaltet die häufig einmalige Gelegenheit, sich seiner selbst, seiner Stärken, Fähigkeiten, Wünsche und Ziele bewusst zu werden und an ‚blinden Flecken‘ zu arbeiten. Eine große Veränderung bei unseren Klienten findet darüber hinaus in der Kommunikation statt: Während Erfolge bisher häufig selbstverständlich waren und im „Wir“ empfunden wurden, geht es nun um eine differenzierte Vertriebsstrategie in eigener Sache. Auch das Erfordert ein Umdenken unserer Klienten.

Vor welchen typischen Herausforderungen stehen Ihre Klienten bei der eigentlichen Suche nach einer neuen Position?

Zwei wesentliche Zugangswege zum Arbeitsmarkt für unsere Klienten sind Personalberater und das eigene Netzwerk. Das klingt zunächst einmal recht einfach, ist aber jeweils mit spezifischen Herausforderungen verbunden.

Weit verbreitet ist der „Mythos Personalberater“ im Sinne von: „Mein Personalberater macht das schon.“ Klienten verlassen sich zu sehr auf zu wenige Headhunter. Mit einer Sechs-bis zwölf-Monats-Perspektive ist die Wahrscheinlichkeit, dass der eine Personalberater genau den richtigen Auftrag auf dem Tisch hat und der Klient sich gegen den Wettbewerb durchsetzt, relativ gering. Daher empfehlen wir, ein passendes Portfolio von Personalberatern aufzubauen. Aber wer von den etwa 7.000 Beratern – alleine in Deutschland – hat den Auftrag? Wir sind hier das Navigationssystem, das mit fundierter Marktkenntnis hilft, die richtige Beraterkombination auszuwählen und anzusprechen.

Beim Nutzen des Netzwerks wiederum sind wir häufig sehr deutsch: Wir bauen Vertrauen auf, bitten aber nicht konkret um Hilfe. Da die berufliche Neuorientierung meistens mit Zeitlimits verbunden ist, muss die eigene Komfortzone an dieser Stelle ein Stück weit verlassen werden. Die Kunst liegt darin, einen authentischen Weg mit der richtigen Dosierung zu finden, so dass das Netzwerken Freude macht und Treiber bei der Neuorientierung wird.

Häufig wird vom „verdeckten Arbeitsmarkt“ gesprochen – welche Bedeutung hat dieser im Zeitalter von Internet und Social Media noch?

Internet und Social Media revolutionieren in der Tat die Rekrutierung. Bei Funktionen mit einem Jahresverdienst über rund € 150.-200.000 ist jedoch nur noch ein Bruchteil der Stellen in Deutschland öffentlich sichtbar. Grundsätzlich gilt: Je höher in der Hierarchie, desto bedeutender ist der Zugang über den verdeckten Arbeitsmarkt. Für mich zählen auch die Personalberater zu diesem Segment, da ihre Aufträge auch nur bedingt transparent werden. Dies hat häufig damit zu tun, dass die Stellen noch besetzt sind bzw. die Berater sehr individuell recherchieren und arbeiten, so dass kein bzw. wenig Interesse an aktiven Bewerbern besteht.

Treiber und Impulsgeber sowie Tempomacher am verdeckten Markt ist die systematische und strategische Netzwerkarbeit. Social Media ist dabei natürlich ein wichtiges Instrument, das es erlaubt, Netzwerke leichter zu steuern und zu erweitern. Gleichzeitig hilft es, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und die eigene Marke zu gestalten. Am verdeckten Markt werden Empfehlungen ausgesprochen und Türen geöffnet. Und was tun wir zuerst, wenn einer neuer Name fällt? Wir googeln ihn. Die optimierte Kommunikation auf allen Kanälen inklusive Social Media ist deshalb ein ständiger Begleiter im Beratungsprozess.

Wir haben über viele Aspekte der beruflichen Neuorientierung gesprochen – an welchen Punkten stiften Sie den größten Mehrwert für Ihre Klienten?

Was uns Klienten immer wieder widerspiegeln, ist, wie stark die Arbeit in der Reflexion und Kommunikation positiven Einfluss auf ihre Rolle und ihr Tun als Führungskraft hat. Im Beratungsprozess hat die Selbstführung einen großen Anteil. Sie ist die Voraussetzung, andere optimal führen zu können.

Die Reflexion hat zudem große Bedeutung für die richtige Auswahl des Arbeitgebers: Je besser ich mich selbst, meine Werte, Einstellungen und Bedürfnisse kenne, desto leichter fällt es mir, diese mit einer Unternehmens- und Führungskultur abzugleichen. Je größer die Passung, desto mehr Energie geht direkt in die Leistung. Das führt zu besseren Ergebnissen, einer deutlich höheren Zufriedenheit und intrinsischen Motivation.

Da der Bewerbungsprozess vor allem durch wenig Zeit für wichtige Informationen gekennzeichnet ist, z.B. durch durchschnittlich 1,5 Stunden im Interview, investieren wir viel Zeit in klare und systematische Kommunikation. Dieses kommt unseren Klienten auch in der Onboarding-Phase wieder zugute: Es fällt ihnen leicht, in den ersten 100 Tagen „Duftmarken“ zu setzen, z.B. durch die straffe Kommunikation von Erfolgen. Auch für Meetings, Präsentationen und Verhandlungen sind diese Techniken nutzbar, so dass sie weit über die Phase der beruflichen Neuorientierung hinauswirken.

Viele Klienten sind im Nachhinein erstaunt, wie viel die Beratung bei ihnen bewirkt und wie stark das Erarbeitete weiter in die Zukunft ausstrahlt. Das hat damit zu tun, dass bei Beratungsaufnahme häufig das Bewältigen der aktuellen Situation im Vordergrund steht und der darunter liegende Mehrwert erst im Laufe der Zeit sichtbar wird und an Bedeutung gewinnt. Häufig werde ich gefragt: „Warum haben Sie mir das denn nicht gleich gesagt?“ Die Antwort ist einfach: „Weil Sie es zu dieser Zeit noch nicht gehört hätten.“